Wischdesinfektion – Der Goldstandard für flächendeckende Hygiene und Infektionsschutz
Was ist Wischdesinfektion und wann ist sie notwendig?
Die Wischdesinfektion ist ein hygienisches Verfahren, bei dem Desinfektionsmittel mittels eines Tuches oder Mopps gezielt auf Oberflächen aufgetragen wird, um Krankheitserreger (Bakterien, Viren, Pilze) gezielt abzutöten oder zu inaktivieren.
Im Gegensatz zur reinigenden Desinfektion (Reinigung und Desinfektion in einem Schritt) oder zur Sprühdesinfektion (die nur kleine Flächen behandelt und Aerosole erzeugt), ist die Wischdesinfektion das Verfahren der Wahl für große, ebene Flächen wie Fußböden, Tischplatten, Arbeitsflächen und Waschbecken.
Wann ist sie notwendig? Eine normale Reinigung mit Wasser und Reiniger entfernt zwar sichtbaren Schmutz und einen Großteil der Keime mechanisch, tötet diese aber nicht zuverlässig ab. Die Wischdesinfektion wird eingesetzt, wenn:
- Ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht (z. B. in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Arztpraxen).
- Ein konkreter Infektionsfall vorliegt (z. B. Norovirus, MRSA, Clostridien).
- In sensiblen Bereichen wie Küchen (HACCP), Laboren oder Lebensmittelbetrieben gearbeitet wird.
- Nach der Reinigung eine keimfreie Oberfläche gefordert ist.
Der entscheidende Unterschied: Reinigung vs. Desinfektion
Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass stark riechende Reiniger auch desinfizieren.
- Reinigung: Entfernt Schmutz, Staub und Fette. Reduziert die Keimzahl mechanisch, bietet aber keinen Schutz vor verbliebenen Erregern.
- Desinfektion: Tötet spezifische Erreger chemisch oder thermisch ab. Wichtig: Desinfektionsmittel wirken auf verschmutzten Flächen kaum! Daher gilt die goldene Regel: Erst reinigen, dann desinfizieren (außer bei kombinierten Reinigungsmitteln, die explizit dafür zugelassen sind).
Die 5 Schritte der korrekten Wischdesinfektion
Damit die Wischdesinfektion wirksam ist, muss sie exakt nach Protokoll durchgeführt werden. Fehler bei der Anwendung können die Wirkung vollständig aufheben.
1. Auswahl des richtigen Mittels
Nicht jedes Mittel tötet jeden Keim. Das Desinfektionsmittel muss für den spezifischen Erreger wirksam sein (z. B. „begrenzt viruzid“ für Noroviren). In Deutschland ist die VAH-Liste (Verbund für Angewandte Hygiene) der Standard für die Auswahl geprüfter Mittel.
2. Korrekte Dosierung
Die Konzentration des Mittels im Wasser muss exakt eingehalten werden.
- Zu niedrig: Die Keime werden nicht abgetötet, es können Resistenzen entstehen.
- Zu hoch: Verschwendung von Ressourcen, Gefahr von Materialschäden und Gesundheitsrisiken für das Personal.
- Tipp: Immer Dosierhilfen oder automatische Dosiersysteme verwenden.
3. Anwendungstechnik (Das Wischen)
- Der Wischmopp oder das Tuch wird in die Lösung getaucht und gut ausgewrungen (nebelfeucht).
- Die Fläche wird systematisch abgewischt (z. B. in S-Bahnen oder von der sauberen zur unreinen Seite).
- Wichtig: Die Fläche muss während der gesamten Einwirkzeit sichtbar feucht bleiben. Trocknet die Fläche zu schnell, wirkt das Mittel nicht!
4. Die Einwirkzeit (Der kritischste Faktor)
Jedes Desinfektionsmittel benötigt eine bestimmte Zeit, um die Keimzellwände zu zerstören. Diese Zeit steht auf dem Etikett (z. B. 5 Minuten).
- Die Fläche darf in dieser Zeit nicht nachgewischt und nicht betreten werden.
- Wird die Fläche vor Ablauf der Zeit trocken gewischt, ist die Desinfektion wirkungslos.
5. Entsorgung und Hygiene des Werkzeugs
- Einwegtücher werden sofort im Restmüll entsorgt.
- Mehrwegtücher/Mopps müssen bei mindestens 60°C (besser 90°C) mit einem hygienewirksamen Waschverfahren gewaschen werden, um eine Verschleppung von Keimen zu verhindern.
- Eimer und Wringgeräte müssen nach jedem Einsatz gereinigt und getrocknet werden.
Vermeidung von Kreuzkontaminationen: Das Farbcodierungssystem
Ein großes Risiko bei der Wischdesinfektion ist die Verschleppung von Keimen von einem Bereich in den nächsten (z. B. vom WC in die Küche). Um dies zu verhindern, hat sich das vierfarbige System etabliert:
- 🔴 Rot: Hochriskante Bereiche (WC, Urinale, Bidets).
- 🟡 Gelb: Sanitärbereiche (Waschbecken, Duschen, Fliesenwände, Badewannen).
- 🔵 Blau: Allgemeine Bereiche (Möbel, Fenster, Türen, Glas, Inventar).
- 🟢 Grün: Lebensmittelbereiche (Küchen, Spülen, Arbeitsflächen, Gastronomie).
Regel: Ein Tuch/ein Mopp einer Farbe verlässt niemals seinen Bereich. Auch die Eimer sollten entsprechend farbcodiert sein.
Sicherheit und Arbeitsschutz
Desinfektionsmittel sind wirksame Chemikalien und müssen mit Respekt behandelt werden:
- Persönliche Schutzausrüstung (PSA): Beim Ansetzen der Lösung und bei der Anwendung sollten immer geeignete Handschuhe (chemikalienbeständig) und ggf. eine Schutzbrille getragen werden.
- Lüftung: Während und nach der Anwendung sollte gut gelüftet werden, um Dämpfe zu reduzieren.
- Mischverbot: Desinfektionsmittel dürfen niemals mit anderen Reinigungsmitteln (besonders säurehaltigen) gemischt werden. Es können giftige Gase entstehen (z. B. Chlorgas).
- Haltbarkeit: Angemischte Lösungen verlieren oft ihre Wirksamkeit nach 24 Stunden. Daher sollte immer frisch angesetzt werden.
Häufige Fehler bei der Wischdesinfektion
- „Schwimmen“ im Eimer: Das Tuch wird nicht ausgewrungen, sodass Pfützen entstehen. Das verdünnt das Mittel auf der Fläche und verlängert die Trocknungszeit, was die Einwirkzeit verfälscht.
- Zu frühes Nachwischen: Aus Angst vor Klebrigkeit oder Rutschgefahr wird die Fläche sofort nachgewischt. Damit wird das Mittel entfernt, bevor es wirken konnte.
- Falsche Reihenfolge: Desinfektion auf stark verschmutzten Flächen. Der Schmutz inaktiviert das Desinfektionsmittel.
- Verwendung von Sprayflaschen für große Flächen: Sprühdesinfektion erzeugt Aerosole, die eingeatmet werden können, und benetzt große Flächen ungleichmäßig. Für Böden und große Tische ist Wischen zwingend.
Fazit: Präzision statt Eimer und Lappen
Die Wischdesinfektion ist eine wissenschaftlich fundierte Maßnahme, die im Kampf gegen Infektionsketten unverzichtbar ist. Sie erfordert jedoch Disziplin, Wissen und die strikte Einhaltung von Protokollen.
Ob im Krankenhaus, im Pflegeheim oder in der Großküche: Nur wer das richtige Mittel wählt, die Dosierung exakt einhält, die Einwirkzeit respektiert und Kreuzkontaminationen durch Farbcodierung vermeidet, kann garantieren, dass Oberflächen tatsächlich keimfrei sind. In Zeiten multiresistenter Erreger und viraler Ausbrüche ist die professionell durchgeführte Wischdesinfektion einer der wichtigsten Bausteine für die öffentliche Gesundheit.
